Mit dem vorgelegten Entwurf zur Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) hat die Landesregierung den nächsten konkreten Schritt zur Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung in Nordrhein-Westfalen gemacht. Grundlage ist ein gemeinsam mit Kommunen sowie den freien und kirchlichen Trägern erarbeitetes Eckpunktepapier, das den Weg zu mehr Verlässlichkeit, Qualität und finanzieller Stabilität im System der Kindertagesbetreuung vorgibt.
Kern des Reformkonzepts ist die strukturelle Stärkung der Kitas in NRW – finanziell, organisatorisch und personell. Die Grundfinanzierung der Träger wird ab dem 1. August 2027 um jährlich 200 Millionen Euro erhöht; zusätzlich stellt das Land für das Kita-Jahr 2026/27 einmalig 200 Millionen Euro bereit. Darüber hinaus stellt das Land insgesamt 1,5 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung. Gleichzeitig wird das bestehende Finanzierungssystem entbürokratisiert, indem Nachweis- und Prüfprozesse modernisiert und deutlich vereinfacht werden. So entsteht ein System, das weniger Ressourcen in Verwaltung bindet und mehr Mittel dort wirken lässt, wo sie gebraucht werden: in den Gruppen, bei den Kindern und im pädagogischen Alltag.
Zugleich startet die Landesregierung eine Ausbildungsoffensive. Vorgesehen ist, die Förderung der praxisintegrierten Ausbildung zur Kinderpflegerin bzw. zum Kinderpfleger ins KiBiz zu überführen und den bisherigen Zuschuss zu erhöhen. Auch die praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher soll weiterhin gefördert werden – mit einem ebenfalls erhöhten Landesanteil. Für weitere Qualifizierungsformate in der Kindertagespflege werden zusätzlich rund eine Million Euro durch die Landesregierung bereitgestellt.
Mit der Reform sollen zudem Fördermaßnahmen stärker gebündelt werden. Die bisher getrennt geförderten Sprach-Kitas und plusKITAs sollen in das KiBiz integriert und vereinheitlicht werden. Dadurch entstehen einheitliche Strukturen für die frühkindliche Sprachbildung – insbesondere für Kinder mit besonderen Förderbedarfen.
Neu eingeführt werden sogenannte Chancen-Kitas. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, die zugleich plusKITA und Familienzentrum sind. Ziel ist eine bessere Unterstützung von Kitas mit sehr hohem Anteil an Kindern mit besonderen Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Sprachbildung.
Auch das erfolgreiche Kita-Helfer-Programm wird dauerhaft ins KiBiz überführt. Die Mittel gehen künftig in die Kindpauschalen über. Damit erhalten die Einrichtungen mehr finanzielle Flexibilität, und die bisherige einrichtungsbezogene Förderung wird zu einer kindbezogenen Förderung weiterentwickelt.
Mehr Flexibilität soll es zudem bei der Organisation von Personal und Betreuungszeiten geben. Träger sollen künftig Kern- und Randzeiten innerhalb der Öffnungszeiten definieren können, um den Personaleinsatz situativ anzupassen und gleichzeitig pädagogische Qualität zu sichern. Die Kindpauschalen bleiben so bemessen, dass der hohe Personalstandard zu jeder Zeit finanziert ist. Künftig sollen zudem Betreuungszeiten in 5-Stunden-Schritten buchbar sein.