Update Schule: intensiver Dialogprozess zur Prüfungsordnung in Gymnasien und Anhörung zur Lehrkräfteausbildung

Im Schulausschuss haben wir uns im April unter anderem mit der Reform der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die gymnasiale Oberstufe und das Abitur befasst. Das Schulministerium berichtete dazu über den Dialogprozess mit Schulpraktikern und Verbänden an dem auch ich teilgenommen habe. In einer weiteren Sitzung standen bei einer Anhörung Änderungen beim Lehrerausbildungsgesetzt im Fokus.

Im Rahmen des vom Schulministerium angestoßenen Dialogprozesses zur Prüfungsordnung wurden in Gesprächen mit Verbänden, Hauptpersonalräten und Vertretern aus dem politischen Raum, sowie landesweit 11 Schulleiterdienstbesprechungen umfangreiche Anpassungswünsche an das Ministerium herangetragen und umgesetzt. Dazu gehört bspw. die Präsentationsprüfung im Abitur und alternative Prüfungsformate. Bei zusätzlichen Schulleiterbefragungen gab es noch die Rückmeldung aus der Schulpraxis, dass bei Klausuren keine Bandbreiten, sondern klare Klausurzeiten von Seiten des Ministeriums vorgegeben werden. Das Ministerium betonte zudem, dass es bisher kein größeres Beteiligungsformat zwischen Schulressort und Schulpraxis gegeben hat.

Das Lehrerausbildungsgesetz (LABG) stand in Zentrum einer weiteren Ausschusssitzung bei der uns Sachverständige aus Wissenschaft, Verbänden und Praxis ihre Erkenntnisse erläutert haben. Die geplanten Änderungen des LABG umfassen insbesondere die Flexibilisierung der Zugangsvoraussetzungen für den Seiteneinstieg sowie die Stärkung inklusiver Kompetenzen im regulären Lehramtsstudium. Ziel des Schulministeriums ist darüber hinaus die Integration von Praxisphasen: Die bisherigen Praxisphasen werden zu einem neuen, 25-tägigen Eignungs- und Orientierungspraktikum zusammengelegt und in das Bachelorstudium integriert, um frühzeitig Praxiserfahrung zu sammeln. Eine darüberhinausgehende erhebliche Steigerung an Praxisanteilen im Master-Studium (Master of Education), wie von der Opposition gefordert, führt allerdings nicht automatisch zu besserem Unterricht. In diesem Sinne betonte Prof. Dr. Carolin Rotter von der Universität Duisburg-Essen, dass die Annahme, der Lehrberuf werde primär in der Praxis erlernt, empirisch nicht belegt, aber weit verbreitet sei. Professionelles Lehrerhandeln erfordere eine wissenschaftlich-reflexive Haltung, die nur im handlungsentlasteten universitären Kontext entstehe, so Rotter weiter. Eine Erkenntnis ihrer Forschungen sei, dass Praxis allein nicht genüge und ohne wissenschaftlichen Unterbau zu einer unreflektierten Reproduktion bestehender Routinen führen könne. Damit sehen wir uns in unseren Plänen einer frühzeitigen Praxiserfahrung, aber einer späteren Praxisbildung, bestätigt. Das Ziel der universitären Praxisphasen im Lehramtsstudium ist Reflexionskompetenz und nicht Routinenbildung, diese erfolgt erst im Vorbereitungsdienst.