In den letzten Sitzungen des Schulausschusses haben wir den fraktionsübergreifenden Antrag zur Stärkung der Mehrsprachigkeit beraten und eine Anhörung zu den ABC-Klassen durchgeführt. Darüber hinaus hat uns die Landesregierung über den Rückgang von Gewalt an Schulen berichtet.
Mit unserem interfraktionellen Antrag erkennen wir Mehrsprachigkeit als das an, was sie ist: eine Schlüsselkompetenz und ein Standortvorteil für Nordrhein-Westfalen. Rund 44 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler haben eine internationale Biografie, und mit 30 Sprachen verfügt NRW über das bundesweit größte Angebot an herkunftssprachlichem Unterricht. Wichtig bleibt dabei: Die Förderung der Bildungssprache Deutsch ist und bleibt zentrale Aufgabe von Schule. Gut ausgebaute Erstsprachenkenntnisse sind dafür kein Hindernis, sondern eine Ressource, die das Erlernen der deutschen Sprache nachweislich stärkt. Wir wollen dieses Angebot weiterentwickeln und stärker an die Lebensrealitäten der Familien anpassen – etwa durch digitale Formate in ländlichen Regionen sowie eine bessere Einbindung in Ganztag und Projektkurse.
Beim Thema Gewalt an Schulen kann die Landesregierung eine positive Tendenz vorweisen. Im Jahr 2025 wurden im Zusammenhang mit schulischen Veranstaltungen 4.146 Gewaltdelikte registriert – ein deutlicher Rückgang gegenüber des Vorjahres. Immer noch eine erschreckend hohe Anzahl. Dennoch bemerkenswert: Die Taten mit Messern oder anderen Stichwaffen liegen 2025 erstmals seit 2023 wieder unter dem Vor-Corona-Niveau und sind seit 2023 um rund 31 Prozent gesunken – ein Rückgang, bei dem man vorsichtig von einem Trend sprechen kann. Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr: Mit dem gemeinsamen Projekt von Schul- und Innenministerium „miteinander stark – sicher gemeinsam für eine gewaltfreie Schule“ setzen wir auf drei Säulen – die Unterstützung des Schulpersonals bei Vorsorge, Umgang und Nachsorge, Unterrichtseinheiten zum Umgang mit Gewalt sowie Schulhofgespräche. Erfreulich ist zudem, dass ab dem kommenden Schuljahr ein eigens für Schulen entwickeltes Deeskalationstraining landesweit als Fortbildung für Lehrkräfte angeboten wird.
In unserer gemeinsamen Anhörung mit dem Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend am 20. Mai herrschte Einigkeit: Frühe, verbindliche Sprachförderung ist dringend erforderlich. Die Zahlen sind alarmierend – rund ein Drittel der Kinder zeigt Auffälligkeiten bei der Schuleingangsuntersuchung, in einzelnen Quartieren liegt der Anteil bei über 50, mancherorts bei 80 Prozent. Dr. Kai Zentara vom Landkreistag war deutlich: Ohne entschlossenes Handeln droht eine Bildungskatastrophe. Genau hier setzen die ABC-Klassen an. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein zusätzliches Angebot. Den Kitas wird nichts genommen – alltagsintegrierte Sprachbildung bleibt erhalten. Über die verpflichtende Schulanmeldung erreichen wir auch die 5 bis 7 Prozent der Kinder ohne Kita-Erfahrung. Margit Dreischer von der Bezirksregierung Arnsberg bestätigte: Das größte Risiko ist, gar nicht zu handeln. Die fachlichen Hinweise der Sachverständigen – insbesondere zu Diagnostik, Verzahnung von Kita und Schule sowie Mitteleinsatz – nehmen wir ernst und werden sie klug abwägen.
Im Zusammenhang mit den ABC-Klassen hat die Landesregierung außerdem über den Stand bei der frühkindlichen Bildung und deren Finanzierung berichtet. Maßgeblich ist hier das künftige Qualitätsentwicklungsgesetz des Bundes, dessen Entwurf allerdings bislang nicht vorliegt. NRW beteiligt sich konstruktiv an den Gesprächen zwischen Bund und Ländern und hat sich dafür ausgesprochen, dass ein künftiges Gesetz mit einer verlässlichen und dynamisierten Finanzierung durch den Bund verbunden sein muss. Die ABC-Klassen selbst sind durch unseren Gesetzentwurf und das Belastungsausgleichsgesetz vollständig durchfinanziert.