Podiumsdiskussion im Landtag zur Shell-Jugendstudie 2024

Am Rande der Plenarwoche war ich als Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Bildung eingeladen meine Sicht auf die Ergebnisse der aktuellen Shell-Jugendstudie darzulegen. Es handelt sich hier um eine große, repräsentative Umfrage, die alle paar Jahre untersucht, wie Jugendliche in Deutschland leben, denken und fühlen. Seit über 70 Jahren gibt sie verlässliche Einblicke in die Welt junger Menschen und zeigt, wie sich unsere Gesellschaft verändert. Besonders wertvoll ist sie, weil sie Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg sichtbar macht und Jugendlichen eine wissenschaftlich fundierte Stimme in öffentlichen Diskussionen gibt.

Nachdem wir die Ergebnisse der Studie schon im Schulausschuss mit dem Schulministerium besprochen hatten, war es für mich besonders spannend, auch an einer Podiumsdiskussion mit Frederick de Moll, einem der Studienautoren, teilzunehmen und die Ergebnisse noch weiter zu vertiefen.

Sie zeigt zum Beispiel, wie junge Menschen die aktuelle politische Lage wahrnehmen und welche Sorgen sie haben: Viele Jugendliche möchten sich politisch beteiligen und mitbestimmen. 55 % sagen, dass sie sich für Politik interessieren, und 37 % wollen sich aktiv einbringen. Gleichzeitig nehmen Ängste zu – vor allem vor Krieg (81 %) und wirtschaftlicher Unsicherheit (67 %). Sorgen um Arbeitslosigkeit oder fehlende Ausbildungsplätze sind dagegen auf einem Tiefstand von nur 35 %. Auch die Angst vor Armut oder dem Klimawandel ist etwas zurückgegangen – vermutlich, weil andere Sorgen im Moment überwiegen. Trotzdem sind 56 % der Jugendlichen zuversichtlich, wenn sie an die Zukunft denken. 75 % haben weiterhin Vertrauen in die Demokratie.

In der Diskussion habe ich betont, wie wichtig es ist, dass Schulen und Lehrkräfte Freiräume haben, um auf aktuelle Themen im Unterricht eingehen zu können. Das macht Schule lebendiger und spannender für die Schülerinnen und Schüler. Wichtig war mir auch, dass Demokratie an Schulen erlebbar sein sollte – zum Beispiel durch Programme wie Your Vision Schule NRW, bei denen Jugendliche ihre Ideen und Vorstellungen für die Schule der Zukunft einbringen können.

Außerdem habe ich darauf hingewiesen, wie bedeutsam Wertevermittlung an Schulen ist. Besonders der Teil der Studie zur Erinnerungskultur war besorgniserregend: Die Zustimmung zur besonderen Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel ist unter Jugendlichen stark zurückgegangen – sie hat sich in etwa gedrittelt.