85 Jahre danach: Was die Deportation der Russlanddeutschen in der Sowjetunion in den Familien hinterlassen hat

Am 12. September 2026 wurde in Köln des 85. Jahrestages der Deportation der Sowjetdeutschen gedacht. Die Veranstaltung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LMDR), Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, begann mit einem Gedenkgottesdienst im Kölner Dom und wurde anschließend auf dem Roncalliplatz mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung fortgesetzt. 

Im August 1941 wurden Hunderttausende Deutsche in der Sowjetunion aufgrund ihrer Herkunft deportiert und entrechtet. Familien verloren ihre Heimat, ihren Besitz und vielfach auch Angehörige. Die Folgen dieses Unrechts endeten nicht mit der Deportation – sie wirken in vielen Familien bis heute fort.

In meinem Grußwort habe ich den Blick besonders auf die nachfolgenden Generationen gerichtet: auf familiäre Traumata, auf das Schweigen derjenigen, die das Erlebte kaum in Worte fassen konnten, und auf die Leerstellen, die dadurch in Familiengeschichten entstanden sind. Ein Foto, ein Ortsname oder eine kurze Erzählung können manchmal jahrzehntelang das Einzige sein, was von einer schmerzhaften Vergangenheit weitergegeben wird.

Für mich ist dieses Gedenken deshalb mehr als ein Blick zurück. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Würde jedes einzelnen Menschen zu schützen und jeder Form kollektiver Ausgrenzung entgegenzutreten.

Zugleich ist es beeindruckend zu sehen, mit welcher Kraft und welchem Zusammenhalt die Russlanddeutschen ihre Geschichte bewahrt und sich in unserer Gesellschaft eingebracht haben. Ihre Erfahrungen und ihre Lebensleistung sind ein wichtiger Teil unserer gemeinsamen Geschichte.